Eine 15-minütige Bahnfahrt von Hamm nach Dortmund? Hm, kann ja nicht so teuer sein. Vor allem ist da ja nur Kamen Hauptbahnhof als einzige Station dazwischen. Teuer sollte es also nicht sein.
Ich ärgere mich schon genug, dass ich als Student nach wie vor kein NRW-Ticket habe und die Entscheidung von meiner FHM immer noch nicht feststeht, ob wir bald eines bekommen oder nicht. Noch nicht einmal die Abstimmung – die übrigens nach den Osterferien stattfinden sollte (O-Ton unserer Kurssprecherin) – hat bisher stattgefunden. Wartet doch einfach noch länger darauf. Am besten bis September, wenn die ersten schon mit ihrer SIP-Phase anfangen oder in Urlaub fliegen/fahren o.ä.
Steig in die Straßenbahn, fahre zum Hbf, will ein Ticket kaufen für die Strecke Hamm – Dortmund und stelle mich an eine Schlange an. Sind ja noch 15 Minuten bis mein Zug losfährt. Ich meine, die Leute vor mir, können ja nichts dafür, wenn sie einen Automaten zum ersten Mal bedienen. Aber wo sind denn dann die netten Leute von der DB, die dann helfen wollen? Ach stimmt, es gibt doch einen Service Point, wo jeder hinrennen kann, um sich dann neu anzustellen, um ein Ticket kaufen zu können. 5 Minuten sind vergangen, die Schlange wird immer schneller kürzer. Angeblich geht der Automat nicht. Zu meiner eigenen Beruhigung stellte ich nach ein paar schnellen Knopfdrücken fest, dass der Automat NICHT KAPUTT ist. Also: Startbahnhof: Hamm. Zielbahnhof: Dortmund.
„Dieses Ticket fällt in den Verbundtarif, das Ticket können sie hier am Automaten nicht kaufen“. What the hell… ich breche alles schnell ab, renn die Treppe hoch, zum Servicepoint, wo ja so viele nette Helfer sitzen. Die anderen Helferlein stehen natürlich drumherum, machen auf wichtig mit nem Walkie Talkie. Aber im Bahnhof direkt helfen? Stimmt, total doofer Einfall von mir. Immerhin, hier ist keine lange Schlange, ich komm sofort dran. Schnell die Situation klären und fragen: „Ist der Automat kaputt? Ich würde gerne ein Ticket für die Strecke Hamm-Dortmund kaufen“. „Ne ne, können sie nicht. Sie müssen dann beim dementsprechenden Bahnhof aussteigen und das Ticket ziehen, die Strecke gehört zum Verbundtarif“. Ich bin so versteinert, dass ich nichts rausbekomme. Bis nach 20 Sekunden der Bahn-Mitarbeiter sagt: „Oder sie sprechen den Schaffner schon vorher an im Zug und bitten ihn um ein Ticket für die Strecke Hamm-Dortmund.“ Ich wache langsam auf aus meiner Verdutztheit. „Und wenn kein Schaffner auf der Strecke Bielefeld-Hamm angetroffen wird von mir?“. „Ja, dann ist das Kulanz-Sache vom Schaffner“. „Das heißt, wenn ich keinen antreffe, sollte ich besser aussteigen in Hamm, ein Ticket ziehen und auf den nächsten Zug warten?“ „Ja“, ist die kurze Antwort vom Mitarbeiter. Ich bedanke mich kurz, um schnell wieder zu gehen, um meinen Ärger nicht zu zeigen. Außerdem ist die Zeit auch schon fast vorbei und mein Zug müsste jeden Moment einrollen. Ich beschließe nicht in Hamm auszusteigen und wenn ich keinen antreffe, ist das… ja, ist das wahrscheinlich auch mein großes Pech, herrlich! Der Zug ist relativ leer, bis auf einen rülpsenden Teenager, der seine Schuhe neben mir auf den gegenüberliegenden Sitz gelegt hat und mich immer wieder doof anguckt. Kurz vor Hamm, welch großes Glück, kommt ein Schaffner. Aber er guckt nur alle kurz an, kontrolliert niemanden, läuft auch an mir fast vorbei, aber ich muss – und wenn es nur für die Beruhigung mein schlechtes Gewissen ist – ihn ansprechen und nach einem Ticket fragen. Er setzt sich zu mir und starrt auf seinen kleinen Monitor. Er geht immer näher ran, guckt schon über seine Brille, er scheint auch ziemlich stark zu riechen. Wenigstens hat er seine „Bahn-Klamotten“ an, wer weiß, was ich sonst über ihn denken würde. „Ja, 7,75 Euro.“ „Bitte? Fast 8 Euro für die kurze Strecke?“ „Ja, aber ich guck mal, ob ich noch ein günstigeres Ticket finde“. „Ja, das ist nett, Dankeschön.“ Es vergehen wieder 5 Minuten, die er auf seinen Monitor starrt, flüstert und flucht zwischendurch und guckt durch die Gegend. „Ach, es kostet sogar 8 Euro das Ticket. Das andere für 7,75 Euro darf ich IM Zug nicht verkaufen. Das tut mir leid, aber das ist so vorgeschrieben…“ Es folgt eine kleine Diskussion, schlussendlich sag ich, dass mir ja nichts anderes übrig bliebe. Ich gebe ihm einen 10-Euro-Schein. Er öffnet – und ich bin mir fast zu 1000% sicher, sein Privatportemonnaie und sucht nach 2 Euro… und sucht… und sucht… Er guckt sich die Münzen sehr genau an, scheint nicht zu wissen, was er in der Hand hält. Meinen Schein hat er schon eingepackt. „Hm, ich frage mal eben andere Fahrgäste, ob sie Geld wechseln können“ und geht los. Ich, schon voller Wut, wie alles bisher abgelaufen ist: „Moment, dürfte ich bitte schon mal wenigstens mein Ticket haben?“ „Hm, ja….“, sagt er, verdreht glaub ich leicht die Augen und findet es wohl komisch, dass ich schon mal ein Ticket haben will, obwohl ich ja schon 10 Euro bezahlt habe. Er reißt das Ticket ab, gibt es mir und findet aber schon 2 Plätze weiter jemanden, der wechseln kann. Gibt mir 2 Euro, dreht sich nochmal komplett um seine eigene Achse und überlegt, ob er weiter kontrollieren soll, winkt ab und sagt: „Ach, ist ja auch egal“ und läuft aus dem Abteil heraus.
Das war die Hinfahrt, Bahngeschichten Teil I.